Sauerstoffarm Abfüllen

In der Annahme, dass unerwünschte Aromen meiner letzten Biere auf Oxidation zurückzuführen sein könnten, habe ich meine Pläne für künftige Kegabfüllvorgänge überarbeitet.

Bislang habe ich das Bier aus dem Fermenter per Schwerkraft durch einen Schlauch in ein Keg laufen lassen. Hier gibt es mehrere Punkte, an denen Sauerstoff- bzw. Luftkontakt unausweichlich war:

  • Im Auslaufstutzen des Fermenter und im Schlauch befindet sich zu Beginn Luft. Insbesondere wenn diese Luft nicht mit dem ersten Schwung ins Keg geschickt wird, sondern teilweise als Blasen im Schlauch verbleibt, kommt ein großer Teil des abzufüllenden Bieres mit dieser Luft in Kontakt.
  • Das Keg selbst habe ich bislang nicht mit CO2 vorgespannt. Die Oberfläche des Bieres, das ins Keg läuft, ist also während der Abfüllung ständig der Luft ausgesetzt. Erst beim Verschließen des gefüllten Kegs habe ich CO2 aufgeschlagen und ca. dreimal über das Überdruckventil abgeblasen.
  • Durch Öffnen des Fermenterdeckels vor der Abfüllung kann evtl. auch Luft an die Oberfläche gelangt sein. Dieses Risiko schätze ich aber als gering ein, da sich als Produkt der Gärung ein solides CO2-Polster über dem Bier befinden sollte.
  • Sehr negativ dürfte sich aber meine Angewohnheit der letzten Sude ausgewirkt haben, zwischenzeitige Restextraktmessungen einfach mit einer Spindel im Fermenter durchzuführen. Dieses Vorgehen habe ich mir mit Sud #022 wieder abgewöhnt, auch dank der (neuen) iSpindel.

Künftig will ich den Fermenter weitgehend geschlossen lassen. Blicke auf die Oberfläche der Kräusen und ggf. bei nachlassender Gäraktivität ein Abschöpfen der Brandhefe von der Schlaucherdecke sollten aber dennoch erlaubt bzw. ratsam bleiben.

Bei Abfüllung will ich künftig (beginnend mit Sud #022) wie folgt vorgehen:

Das Grainfather Fermenter-Umdrück-Set. Der matte Silikonschlauch, der Bouncer-Filter, der schwarze NC-Adapter und der 3/4″-CO2-Anschluss am roten Schlauch sind nicht Bestandteil des Sets und wurden von mir montiert.

Das Grainfather-Umdrückset wird nach der Behandlung mit StarSan am oberen Fermenteranschluss montiert. Dabei ragt das Rohr zunächst nur in den Kopfraum des Fermenters. Das obere Ende des Rohres führt über einen Silikonschlauch durch einen Bouncer-Filter zu einem NC-Adapter, der an den Getränkeanschluss des desinfizierten zu füllenden Kegs angeschlossen wird. Nun wird über den roten Schlauch CO2 angeschlossen und über das Ventil im Schlauch behutsam der Kopfraum, der ohnehin überwiegend CO2 enthalten dürfte, geflutet. Dadurch wird CO2 auch durch das Steigrohr gedrückt. Es durchflutet den kompletten Pfad, den kurz darauf das Bier ins Keg nehmen wird: Rohr, Schlauch, Bouncer-Filter, Schlauch, NC-Adapter, Keg-Steigrohr und Keg-Boden werden komplett mit CO2 geflutet. Am Kegboden düfte sich nach ca. 20-30 Sekunden langsamer Flutung ein CO2-Bett gebildet haben. Da ich das Keg zuvor mit einer StarSan-Lösung desinfiziere, dürfte dieses CO2-Polster quasi als CO2-haltiger Schaum sichtbar sein.

Nun wird das CO2-Ventil geschlossen und das Steigrohr des Umdrücksets ins Bier herabgelassen. Eine sinnvolle Tiefe ist je nach zu erwartender Hefe- und Hopfenmenge abzuschätzen. Aber glücklicherweise kann man am Fermenter ja den Schmodder zuvor bequem ablassen. Nun wird behutsam wieder das CO2-Ventil geöffnet, bis das Bier langsam hochgedrückt wird und im Schlauch und Filter zu sehen ist. Wenn hier nun Blasen im Spiel sein sollten, besteht kein Grund zur Sorge, da es sich nur um CO2 handeln kann. Das Bier gelangt schließlich durch das Keg-Steigrohr “umgekehrt” sanft zum Keg-Boden ohne zu plätschern. Hier drückt es das CO2-Polster langsam nach oben und dürfte praktisch zu keinem Zeitpunkt mit Luft in Kontakt kommen.

Ist das Keg gefüllt, wird der Druck reduziert, um den Fluss zu stoppen. Ein Abziehen des schwarzen NC-Adapter tut natürlich sein Übriges.

Man könnte den Keg-Deckel während des Abfüllvorgangs geschlossen lassen und nur das Überdruckventil geöffnet lassen. Ich werde aber wohl den Deckel geöffnet lassen, um den perfekten Füllstand deutlich erkennen zu können und zum richtigen Zeitpunkt das Befüllen zu beenden. Dann kommt wie gewohnt der Deckel drauf und der Keg-Kopfraum wird noch drei oder viel Mal mit CO2 am grauen Anschluss geflutet.

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