Ablauf eines Brautages

Heute schildere ich an dieser Stelle einmal den zeitlichen Ablauf eines Brautages. Es ist mein fünfter Sud, ein mit Citra gestopftes Weizenbier.

Am Vorabend: Schüttung abwiegen und mit der Mattmill “Student” Mühle in einen Eimer schroten. Das dauert mit Kramerei und Aufräumen ca. 45 Minuten. Das Schrot bleibt abgedeckt bis zum nächsten Morgen in der Küche stehen.

9:00 Gerätschaften und Zubehör herauskramen. Nach einem Blick in den kleinen Brauhelfer und den Grainfather-Calculator die korrkte Hauptgusswassermenge, hier 16,8l, einfüllen und heizen. Da ich aus Gewohnheit auf knapp 60 °C vorheize, diesmal aber ein Weizenbier auf dem Programm steht, dessen Rezept ein Einmaischen ab 37 °C und eine erste Rast bei 45 °C vorsieht, mache ich gleich so früh den ersten Fehler. Also etwas Wasser abgießen, kalt zugießen und schon sind die 37 °C erreicht. Aus dem Rezept wird nun noch ein “Quick Profile” in der Grainfather App erstellt und gestartet.

9:30: Einmaischen. Die Schüttung (4,935kg) kommt in ca. 6 Tranchen in den Kessel. Zwischendurch wird mit dem Paddel immer ein wenig gerührt und gestochert, um Klumpen zu vermeiden. Das dauert ca. 5-10 Minuten, dann startet das eigentliche Maischprogramm.

9:40: Nun ist Zeit für ein kleines Frühstück und um die ersten Zeilen dieses Beitrags zu schreiben. Das Maischprogramm hat Rasten von insgesamt 90 Minuten. Dazu kommen die Zeiten der Heizphasen zwischen den Rasten. So wird das Maischen wohl bis knapp 12:00 Uhr dauern.

Natürlich schaue ich ab und zu nach dem Rechten. Aber es bleibt auch viel Zeit, andere Dinge zu tun: die iSpindel noch einmal checken, Hefe und Hopfen aus dem Kühlschrank holen und abwiegen, Nachgusstöpfe vorbereiten, Gäreimer reinigen und desinfizieren, Kleinteile (Hahnteile, Gärröhrchen, Filter) abkochen. Ich nehme auch schon um 11:00 Uhr, ca. 10 Minuten vor dem eingeplanten Erhöhen auf Abmaischtemperatur,  eine Jodprobe, die bereits negativ ausfällt. Außerdem bleibt noch Zeit, endlich meine Isopropanolflasche ordentlich mit einem Labelprinter zu beschriften.

11:07: Das Programm erhöht inzwischen auf Abmaischtemperatur. Ich prüfe die Temperaturen der zwei großen Töpfe mit Nachgusswasser. Beide liegen schon knapp über 80 °C, so dass ich erst einmal beide Herdplatten abstelle. Damit dürfte ich beim Läutern nachher bei ca. 78 °C landen. Im Gäreimer verdunstet der Rest der Chemipro Oxi Lösung. Im Akkuschrauber ist das Whirlpoolpaddel eingespannt. Ah, die Hopfenportionen habe ich ja doch noch gar nicht bereit gelegt, das erledige ich jetzt…

11:25: Abmaischen beendet. Als ich das Malzrohr hochziehe, merke ich gleich, dass es nur sehr langsam dröpfelt. Das Läutern wird heute wohl wieder eine Sache von Stunden. Vermutlich wegen des hohen Weizenanteils. Dementsprechend brauch ich mir über die zu hohe Nachgusstemperatur auch keine Sorgen machen: Bis der Nachguss dran ist, wird das Wasser noch viel Zeit zum Abkühlen auf 78 °C haben.

Okay, so würde das Läutern vermutlich noch länger als bei Sud #3 dauern, also über drei Stunden. Ich entscheide mich daher für eine “Notmaßnahme”: Ich entferne die obere perforierte Platte, indem ich mit zwei Gabeln im Trüben fische. Dann stocher ich mit dem Paddel im Treberkuchen herum. Tatsächlich wird aus dem langsamen Tröpfeln nur dann ein Plätschern, wenn ich bis zum Boden durchstehe und ganz unten den Treber etwas schiebe. Mir ist klar, dass das ganau nicht das Ziel des Läuterns ist, aber anders sehe ich kein Vorankommen. Wenn ich damit aufhöre, setzen sich die Löcher binnen Sekunden wieder zu. Ich entscheide mich also kontinuierlich so weiter zu machen. Das Läutern dauert so ca. eine Stunde.

12:25: Das Läutern ist beendet, das Malzrohr wird entfernt und wieder die Heizung angeschaltet, die ich angesichts des langens Läuterns zwischenzeitig abgeschaltet hatte. Ich nehme eine Probe der Würze in einen Messzylinder und kühle sie in einem Wasserbad. Im Kessel sind gerade 27,9l bei 88°C. Ich reinige schon mal das Malzrohr. Nach einigen Minuten ist die Probe bei 42°C, die Spindel zeigt 9,2°P, umgerechnet auf 20°C sind das 11,0°P. Verdammt nah am Sollwert laut KBH von 11,1°P, deutlich unter dem Mess- und Ablesefehler. Auch die Würzemenge ist sehr nah am Sollwert. Ich bin trozt der Läuterprobleme also erst einmal zufrieden.

12:40: Kochtemperatur erreicht. Erste Hopfengabe. Ich reinige noch einige Dinge, räume etwas auf, messe noch einmal die Probe (nun 32°C, 9,6°P, normalisiert 10,5°P, okay!) und schreibe an dieser Stelle weiter… Ich koche etwas Wasser für die Heferehydrierung ab und lasse es wieder abkühlen. Die Hefe soll bei 30-35°C für 15 Minuten angesetzt werden.

13:20: Zweite Hopfengabe. Immer mal wieder rühren…

13:40: Ich schiebe den Grainfather in die Nähe der Spüle, schließe den Gegenstromkühler an und lasse die letzten 10 Minuten der Kochzeit die Würze bei Kochtemperatur durch den Kühler zirkulieren, um ihn zu desinfizieren. Das Hefewasser ist bei 34°C. Ich gebe die Hefe ins Wasser und decke das Glas mit Alufolie ab.

13:50: Kochende. Ich lasse nun Kaltwasser durch den Kühler laufen, bis die Würze auf gut 80°C abgekühlt ist. Kaltwasser und Pumpe wieder aus und Kühlerausgang zur Seite legen. Whirlpoolhopfung. Nun kommt das Whirlpool- und Belüftungspaddel am Akkuschrauber zum Einsatz. Ich lasse es linksherumdrehen, um bei Kontakt mit dem Filter am Boden des Kessels nicht die schwarze Kappe abzulösen. Whirlpool für drei Minuten, dann ca. 10 Minuten warten.

Nun wird der Gäreimer neben des Kessel gestellt und der Kühlerausgang, um den ein langer feinporiger Kunstfaser-Hop-Sock als Filter gehängt wird, in den Eimer geführt. Der Eimerdeckel wird locker eingerastet, um den Schlach und Filter zu halten. Kühlwasser und Pumpe schalte ich wieder an. Das Wasser am Kühlerausgang fühlt sie kühl genug an. Gut.

Es läuft einige Minuten, dann höre ich ein Plätschern, das irgendwie nicht richtig scheint. Teile der Würze landen auf dem Boden. Im langen Hop-Sock hat sich ein großer Rückstau gebildet, der hoch bis über den Eimerrand ragt. Nicht gut! Schnell Deckel ab. Pumpe aus. Schlauch und Filter in der Hand. Was nun?… Okay, die Würze enthält wohl so viele und große Trubstoffe, dass dieser Filter zu fein ist. Ich habe noch eine simple Textilfaser-Hop-Sock. Also tausche ich den Filter dagegen aus. Ja, so geht’s. Hoffentlich habe ich die Würze bei dieser Aktion nicht kontaminiert.

14:30: Schließlich landen im Eimer 23,3l Würze, die ich nun mit dem Belüftungspaddel belüfte, bevor die Hefe schließlich dazu gegeben wird. Eine Spindelmessung bei rund 20°C zeigt ca. 12,5°P. Das ist okay. Angepeilt waren 13°P. Ich positioniere den Eimer im Flur auf unserem großen Kühlschrank, wo er nicht im Wege ist. Nun noch die iSpindel eingeschaltet, desinfiziert und eingelegt. Deckel zu. Puuh.

Anschließend wird alles gereinigt. Diesmal hat’s der Küchenboden besonders nötig.

15:30: Das allermeiste ist sauber und aufgeräumt. Ein paar Teile sind noch im Geschirrspüler. Resümee: Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass immer mindestens eine Kleinigkeit schief läuft. 🙂

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